Die Schloss-Störche in Markdorf
Die Stadt Markdorf saniert nach 20 Jahren die Plattform auf dem Schlossdach, auf der im vergangenen Jahr zwei Störche ihren Nachwuchs großgezogen haben. Die Störche waren die Stars des Sommers 2012. Das Nest soll zum Frühjahr wieder aufgebaut werden.
Sie waren die Stars des vergangenen Sommers in der Gehrenbergstadt: Vom ersten Besuch im März über Nisten und Brutpflege zogen sie ungezählte Blicke auf sich. Denn es war das erste Storchenbrutpaar, seit vor rund 20 Jahren das Nest aufs Dach des Markdorfer Wahrzeichens gebaut wurde. Daher wundert es nicht, wenn jetzt zahlreichen Markdorfern auffällt, dass das Storchennest nicht mehr an seinem gewohnten Platz ist.
"Wir waren's nicht, denn wir haben unsere Störche gerne", teilte Bischofschloss-Chef Bernd Reutemann auf Anfrage mit. Die weitere Recherche führte zur Stadtverwaltung. Hauptamtsleiter Klaus Schiele machte sich schlau, kam aber über die knappe Auskunft "Der Nestrahmen wurde heruntergenommen, gesäubert und hergerichtet" nicht hinaus. Erst Bauamtsleiter Thomas Kuntosch brachte mehr Fleisch an den Knochen.
Der Bauhof habe bereits vergangenes Jahr die Plattform durch eine Öffnung im Dachbelag heruntergenommen. Dabei handle es sich um einen Bock mit einer wasserfesten Plattform. Diese Plattform werde von hölzernen Zapfen begrenzt, die Mitglieder des BUND mit einem Weidengeflecht versähen. Dann, so Kuntosch, komme das Nest wieder aufs Dach. Das soll angesichts des milden Wetters so bald wie möglich geschehen.
Im vergangenen Frühjahr hatte Franz Beer, Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe Markdorf vermutet, des handle sich bei dem nestbauenden Paar um Jungstörche, die das erste Mal brüten. Obwohl die Adebare Äste und Nistmaterial herbeischafften, lasse die niedrige Nestbauweise diesen Schluss zu. "Altstörche bauen ihr Nest richtig hoch", weiß der Experte. Übrigens hat Bauamtsleiter Kuntosch von seinem Büro aus direkte Sicht aufs Bischofschloss. Und er hat dort bereits einen Storch entdeckt. "Vielleicht einer aus Salem auf Sondierungsflug", mutmaßte Kuntosch gestern.
Einer, der die Schloss-Störche ganz genau kennt, ist Johann Jakob aus der Konrad-Adenauer-Straße. Der Rentner hatte im vergangenen Jahr auf seinem Balkon eine Beobachtungsstation mit Fernglas eingerichtet und die Entwicklung der Storchenfamilie dokumentiert. Vom bis zur Abreise gen Süden ist ihm nichts entgangen. Johann Jakob hat auch vergangene Woche wieder Störche auf dem nun nestlosen Dach entdeckt. Einer habe die ganze Nacht auf dem First verbracht, warte wohl schon auf das Nest.








