Der ultimative Sommerspaß: Feuer und Flamme für Fußball-Golf

Meine drei Kinder LIEBEN Minigolf. Und sie LIEBEN Fußball. Beides lässt mich daran zweifeln, dass wir tatsächlich miteinander verwandt sind. Denn ich finde beides uninteressant. Aber mir als erfahrener Mutter ist natürlich völlig klar, dass es schon lange nicht mehr darum geht, was ICH will, sondern darum, was den Nachwuchs glücklich macht. Deshalb bin ich sofort angetan von der Idee, zum Fußballgolf auf das Seepark-Gelände in Pfullendorf zu fahren. Wir nehmen Freunde mit ihren Kindern mit – doppelte Spielerzahl, doppelter Spaß. Die Chancen dafür stehen gut, schließlich wartet „Deutschlands verrückteste Fußball-Golfanlage“ auf uns.

Frenetischer Jubel vor dem ersten Schuss

Der nette Mann am Empfang erklärt uns erst einmal die Spielregeln. Das macht er heute mit Sicherheit nicht zum ersten (und auch nicht zum letzten) Mal. Und trotzdem beantwortet er geduldig alle Fragen. Er erklärt das Prinzip nochmal und nochmal. Und er hat das größte Verständnis dafür, dass meine Tochter einen anderen Ball haben möchte als den, den er ihr zugeteilt hat. Denn die Farbe gefällt ihr nicht. Ich bin ihm sehr dankbar, denn an solchen Kleinigkeiten kann die Stimmung einer Zehnjährigen durchaus schon in den Keller fallen, bevor der Spaß überhaupt begonnen hat. Und dann geht es los. Wir laufen unter großem Gejohle von Fangesängen ins „Stadion“ – also das Spielfeld – ein. Wirklich! Aus Lautsprechern werden wir angefeuert und gefeiert, bevor wir überhaupt das erste Mal gegen den Ball getreten haben. Sehr sympathisch, diese Vorschusslorbeeren!

18 Bahnen, 30.000 Quadratmeter, jede Menge Abwechslung

Beim Fußballgolf in Pfullendorf geht es auf rund 30.000 Quadratmetern in 18 unterschiedlichen Parcours darum, mit Hilfe des Fußes einen Fußball vom Startpunkt in das Loch am anderen Ende der Bahn zu bugsieren. Anders als beim Minigolf wird dabei reihum gekickt. Wenn der eine Spieler mit seinem Ball einen Schuss getan hat, bleibt das Leder dort liegen und der nächste Spieler ist wiederum mit seinem Ball dran. So geht es im Team reihum. Die Schüsse bis zum Versenken des Balles werden gezählt und in eine Spielkarte eingetragen. Freundlicher Weise ist auf ihr vermerkt, wo der Platzstandard liegt – wie viele Schüsse also im Durchschnitt andere brauchen, um ans Ziel zu gelangen. Wir liegen auf jeder Bahn weit darüber und hören – um die Nerven der Kinder (und der Erwachsenen) zu schonen, irgendwann auf mit Zählen. Für uns steht der Spaß im Mittelpunkt. Den haben wir schon allein deswegen, weil auf der gesamten Anlage jede Menge Fußballwissen witzig und gut verständlich vermittelt wird.

Viel zu staunen, entdecken und ausprobieren

Was mir als Mensch mit einem Blick für Besonderes sofort auffällt, ist, mit wieviel Akribie und Begeisterung die ganze Anlage geplant ist. Das geht schon mit den Fangesängen am Eingang los. Bei Station 5, „Fußball verrückt“, müssen wir den Ball durch das kleine Loch in einer großen Scheibe kicken. Das ist nicht ganz so einfach, wie es klingt, da sie sich dreht. Bei „Elfer“ geht es darum, den Ball so gekonnt in eines der Löcher mehrere Meter über dem Boden zu schießen, dass er anschließend wie auf der Bowlingbahn weit nach hinten Richtung Ziel rollt. „Streetsoccer“ ist aufgebaut wie eine Baustellen-Szenerie inklusive Dixie-Klo, in das der Ball am Ende versenkt werden muss. Klar, dass dann eine Toilettenspülung zu hören ist. Mehr als einmal staune ich darüber, was sich die Betreiber von der Werkstättle gGmbH, die mit dem Park vor allem ehemaligen Langzeitarbeitslosen ein Einkommen sichert, für die Spieler haben einfallen lassen. So kommt es, dass diese Mischung aus Minigolf und Fußball selbst mir anfängt, richtig Spaß zu machen. Selbstverständlich bin ich in meinen Halbschuhen nicht optimal ausgestattet – anders als meine Kinder, die allesamt Turnschuhe tragen. Mein Sechsjähriger, seit neuestem im Fußballfieber, kickt wie ein Weltmeister und strahlt mich an: „Mama, das ist ja gar nicht wie Golf! Das ist ja wie Fußballtraining!“. Er ist von Anfang bis Ende begeistert dabei. Sein sechs Jahre älterer Bruder findet das Ganze ebenfalls „Total genial“, lässt seiner Freude aber nicht ganz so euphorisch ihren Lauf. Alle drei schlagen sich gut. Anders als ich.  

Kleine Nachhilfe in Sachen Fußballgeschichte

Nur bei Station 13 zocke ich meinen Nachwuchs ab. Also die beiden Jüngeren jedenfalls. Denn dort geht es darum, bei einer Geschwindigkeitsmessung den Ball mit mehr als 50 km/h ins Tor zu schießen. Da fehlt den beiden schlichtweg die Kraft in den Beinen und mein jahrelanges Lauftraining macht sich endlich einmal bezahlt. Und auch bei „Das Wunder von Bern“ brauchen die Kinder ein bisschen Nachhilfe. Dieses Mal nicht in Sachen Kraft, sondern in Sachen Fußballgeschichte. Versenkt man hier den Ball im Loch, schallt Herbert Zimmermanns legendäre Radio-Reportage vom WM-Finale zwischen Ungarn und Deutschland vom 4. Juli 1954 aus den Lautsprechern. „Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister …“. Deutschland? Weltmeister? „Das muss aber schon ganz schön lang her sein!“, stellt unser Jüngster fachmännisch fest.

Am Ende wartet das Himmelstor auf alle Spieler

Nach 18 Stationen und fast zwei Stunden auf dem Platz sind wir bei „Himmlischer Fußball“ angelangt. Als ich den Ball durch die Öffnung schieße, schallt Georg Friedrich Händels „Halleluja!“ aus dem Messias über den Platz. Und genauso fühle ich mich auch – im Fußballgolfhimmel. Minigolf finde ich immer noch lahm und die Fußballbegeisterung überlasse ich bei uns in der Familie gern meinem Mann und meinen Kindern. Aber wenn demnächst mal wieder jemand fragt, ob ich mitkommen will zum Fußballgolf – ich würde nicht „Nein“ sagen. Und meine Kinder erst recht nicht.

Heike Thissen lebt mit ihrer Familie in Konstanz. Schon als Kind wünschte sie sich, später einmal in der Vierländerregion zu wohnen – und das, obwohl sie im schönen Oberbayern aufwuchs. Ihren Traum von damals hat sie wahr gemacht und schreibt seither als Journalistin und Autorin am liebsten über die Bodenseeregion und das, was sie so besonders macht.

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