Der Bodensee ist schön, das wissen wir. Aber unter seiner Wasseroberfläche, an seinen Ufern und in seiner Geschichte stecken Geschichten, die deutlich weniger bekannt sind.
Wusstest du zum Beispiel, dass auf dem Seegrund mehr als 170 rätselhafte Steinhügel liegen? Dass ein französischer Kaiser am Bodensee Schweizerdeutsch lernte? Oder dass früher komplette Eisenbahnwaggons über den See transportiert wurden?
Hier kommen Fakten über den Bodensee, bei denen du vielleicht zweimal hinschauen musst.
1. Auf dem Seegrund liegen 170 rätselhafte Steinhügel
Mehr als 170 künstlich angelegte Steinhügel liegen vor dem Schweizer Bodenseeufer unter Wasser. Sie wurden bei einer Vermessung des Sees entdeckt uns stammen aus der Jungsteinzeit, also aus der Zeit vor rund 5.500 Jahren.
Warum die Menschen damals diese riesige Steinaufschüttungen anlegten, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Fischfang, Laichplätze oder andere Funktionen werden diskutiert. Sicher ist nur: Die Menschen der Jungsteinzeit haben hier gewaltige Mengen an Seinen bewegt.
Und damit beginnt eines der größten Rätsel des Bodensees.
2. Einmal über den zugefrorenen Bodensee
Der Bodensee friert nur unter sehr seltenen Bedingungen vollständig zu. Wenn es doch passiert, spricht man von einer Seegfrörne.
Damit verbunden ist eine ganz besondere Geschichte: Zwischen Hagnau und Münsterlingen gibt es die Tradition der Eisprozession. Bei einer ausreichend tragfähigen Eisdecke wurden eine Büste des heiligen Johannes über den See getragen und zwischen den beiden Orten ausgetauscht.
1963 war es wieder so weit. Die Johannisbüste wurde über das Eis von Hagnau nach Münsterlingen getragen.
Ein Brauch, für den man heute nicht einfach ein Ticket kaufen könnte. Dann dafür müsste der Bodensee erst einmal wieder komplett zufrieren.
3. Ein gesunkenes Schiff liegt seit 1864 auf dem Seegrund
Am 12. Februar 1864 kollidierte das Dampfschiff Jura mit dem Schiff Stadt Zürich und sank im Bodensee.
Das Wrack blieb auf dem Seegrund liegen und wurde erst rund 100 Jahre später wiederentdeckt. Heute gehört die Jura zu den bekanntesten Wracks des Bodensees.
Das Spannende daran: Während oben Ausflugsschiffe fahren, liegen unter der Wasseroberfläche ein Stück Schifffahrtsgeschichte aus dem 19. Jahrhundert.
4. Früher fuhren Eisenbahnwaggons über den Bodensee
Heute steigen wir in Friedrichshafen aus dem Zug und gehen weiter zum Hafen. Früher konnte der Zug selbst auf dem See unterwegs sein.
Beim sogenannten Trajektverkehr wurden Eisenbahnwaggons auf spezielle Fähren verladen und über den Bodensee transportiert. Zwischen Friedrichshafen und Romanshorn wurde dieser Eisenbahnverkehr über den See bis 1976 betrieben.
Die heutigen Autofähren auf dieser Verbindung erinnern damit indirekt an eine Zeit, in der nicht nur Menschen, sondern ganze Güterzüge über den Bodensee transportiert wurden.
5. Ein französischer Kaiser sprach Thurgauer Dialekt
Schloss Arenenberg am Untersee war die Jugendheimat von Louis-Napoléon, dem späteren Kaiser Napoleon III.
Er verbrachte dort einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend und lernte neben Deutsch auch Schweizerdeutsch. Bei seinem späteren Besuch als Kaiser sprach er sogar im Thurgauer Dialekt.
Dass ein französischer Kaiser ausgerechnet am Bodensee Schweizerdeutsch lernte, gehört definitiv zu den ungewöhnlicheren Geschichten der Region.
6. Warum heißt der See eigentlich Bodensee?
Der Name des Bodensees führt direkt nach Bodman am westlichen Ende des Überlinger Sees.
International klingt der Name allerdings ganz anders: Im Englischen heißt der See Lake Constance, im Italienischen Lago di Costanza und im Französischen Lac de Costance. Alle drei Namen beziehen sich auf Konstanz.
Ein See, drei Länder und gleich mehrere Namen.
7. Eine winzige Insel ist kleiner als viele Wohnungen
Vor Lindau liegt die Insel Hoy
Mit gerade einmal 53 Quadratmetern ist sie das kleinste Eiland im Bodensee. Und sie ist nicht einmal natürlich entstanden: Die Hoy wurde in den 1920er-Jahren als private Badeinsel angelegt.
Einige eigene Insel mitten im Bodensee? Ja. Aber für eine große Strandparty wäre es dort eher knapp.
8. Der erste Zeppelin wurde auf dem Bodensee gebaut
Der erste Zeppelin startete nicht einfach von einem normalen Flugplatz.
Die Konstruktion von LZ1 wurde in der Manzeller Bucht bei Friedrichshafen eine schwimmende Halle auf dem Bodensee errichtet. Sie konnte sich mit dem Wind drehen und ermöglichte so die Arbeit am riesigen Luftschiff.
Am 2. Juli 1900 hob LZ1 schließlich zu seiner ersten Fahrt ab. Der Flug dauerte gerade einmal 18 Minuten.
Heute kann man sich kaum vorstelle, welches Spektakel dieser Aufstieg gewesen sein muss. Tausende Menschen kamen an den Bodensee, um das ungewöhnliche Fluggerät zu sehen.
9. Wasser aus der Donau landet im Bodensee
Das klingt zunächst unmöglich, ist aber ein faszinierendes Beispiel dafür, wie unterirdische Wasserwege funktionieren.
Bei Immendingen und Fridingen versickert Wasser der Donau im Untergrund. Ein Teil davon tritt am Aachtopf wieder an die Oberfläche. Über die Radolfzeller Aach gelangt dieses Wasser schließlich in den Bodensee.
Damit landet also tatsächlich Wasser aus dem Einzugsgebiet der Donau im Bodensee.
10. Der Rhein beginnt seine Kilometrierung in Konstanz
Der Rhein hat bereits einen langen Weg aus den Alpen hinter sich, bevor er den Bodensee durchquert.
Trotzdem beginnt seine offizielle Kilometrierung bei Rhein-Kilometer 0 in Konstanz, genauer gesagt an der Achse der Alten Rheinbrücke. Von dort werden die Kilometer flussabwärts gezählt.
Wenn du also in Konstanz am Rhein stehst, stehst du tatsächlich am offiziellen Kilometer null.
11. Unter Wasser versteckt sich der Teufelstisch
Vor Wallhausen ragt sich eine natürliche Felsformation aus dem Seegrund auf: der Teufelstisch.
Die Felsnadel steigt bis zu einer breiten, flachen Platte unterhalb der Wasseroberfläche auf. Von oben ist davon kaum etwas zu sehen. Für Taucher ist der Teufelstisch deshalb ein spektakuläres, aber anspruchsvolles Ziel.
Der Name klingt fast schon wie eine Warnung.
12. Ein Papst wurde in einem ehemaligen Kaufhaus gewählt
Das heutige Konzilgebäude in Konstanz war ursprünglich gar kein Ort für Kirchenversammlungen, sondern ein Kaufhaus und Warenlager.
1417 wurde dort jedoch Geschichte geschrieben: Im Gebäude wurde Martin V. zum Papst gewählt. Das Konklave war streng abgeschirmt, die Fenster wurden verschlossen und die Wähler in eigens eingerichteten Kammern untergebracht.
Das eigentliche Kuriose: Die großen Sitzungen des Konstanzer Konzils fanden überwiegend im Münster statt. Das Kaufhaus wurde durch die Papstwahl berühmt.
13. Ein Schiff kann sein Steuerhaus klein machen
Auf dem Bodensee muss nicht nur der Tiefgang eines Schiffes passen. Manchmal geht es auch um die Höhe.
Bei der MS Arenenberg lassen sich Teile des Steuerhauses und des Sonnendachs absenken. Dadurch kann das Schiff auch unter Brücken hindurchfahren, die für ein normales, höheres Steuerhaus zu niedrig wären.
Auf einem See mit zahlreichen Brücken, Häfen und Wasserwegen kann ein bisschen weniger Höhe plötzlich ziemlich wichtig werden.
14. Ein Fisch galt als ausgestorben und tauchte wieder auf
Der Bodensee-Tiefseesaibling galt lange als verschwunden. 2008 wurde die Art von der IUCN als ausgestorben eingestuft.
Doch dann kam die Überraschung: Im Rahmen des Forschungsprojekts Projet Lac wurden wieder Exemplare gefunden.
Ein Fisch, der eigentlich nicht mehr existieren sollte, wurde also im Bodensee wiederentdeckt.
15. Der Bodensee spielte bei James Bond mit
Der Bodensee war sogar schon Teil der James-Bond-Welt.
Für „Ein Quantum Trost“ wurden 2008 Szenen auf der Bregenzer Seebühne gedreht. Während einer Aufführung von Puccinis „Tosca“ beobachtet James Bond dort seine Gegenspieler.
Das damalige riesige Bühnenbild mit dem Auge wurde damit nicht nur für Opernfans, sondern auch für Kinofans bekannt.
16. In Bregenz steht ein Badehaus von 1825
Die Mili in Bregenz wurde 1825 als Militärbad errichtet. Ursprünglich diente die Anlage dazu, Soldaten das Schwimmen beizubringen.
Heute steht der historische Holzbau noch immer auf Pfählen im Bodensee und wird als öffentliches Bad genutzt. Sie gilt als älteste Badeanstalt am Bodensee.
Mehr als 200 Jahre Badegeschichte und immer noch ein Sprung ins gleiche Wasser.
17. Die Imperia wiegt 18 Tonnen und dreht sich trotzdem
Am Konstanzer Hafen steht eine Frau, die sich ziemlich viel Zeit für eine Runde nimmt: Die Imperia ist neun Meter hoch und wiegt rund 18 Tonnen.
Trotz dieses Gewichts dreht sie sich mithilfe eines Drehtisches ungefähr alle vier Minuten einmal um ihre eigene Achse.
Ein ziemlich beeindruckendes Beispiel dafür, dass auch 18 Tonnen beweglich sein können.
18. Der Bodensee hat nicht überall den gleichen Wasserstand
Obersee und Untersee sind zwar Teile desselben Gewässers, liegen aber nicht auf exakt derselben Höhe.
Verbunden werden sie durch den rund vier Kilometer langen Seerhein. Der Untersee liegt im langjährigen Mittel etwa 20 Zentimeter niedriger als der Obersee.
Der Bodensee ist also nicht einfach überall „gleich hoch“.
19. Der Bodensee kann fast verschwinden
Der Bodensee ist riesig. Aber an manchen Stellen zeigt sich, dass er trotzdem empfindlich auf Veränderungen reagieren kann.
Durch natürliche Prozesse und Sedimente verändert sich der See ständig. Besonders am Untersee und an Zuflüssen lässt sich beobachten, wie sich Uferbereiche über lange Zeiträume verändern.
Der Bodensee ist deshalb kein statisches Gewässer, sondern eine Landschaft, die sich ständig weiterentwickelt.
20. Und jetzt die vielleicht überraschendste Zahl
Der Bodensee ist nicht nur Ausflugsziel, Trinkwasserspeicher und Lebensraum. Er gehört auch zu den bedeutenden Trinkwasserressourcen Europas.
Über das Bodensee-Wasser werden Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt.
Was für Urlauber nach einem schönen See aussieht, ist für eine riesige Region also gleichzeitig eine der wichtigsten Wasserressourcen.
Welche Tatsache hat dich am meisten überrascht?
Vom rätselhaften „Stonehenge“ auf dem Seegrund über Eisenbahnwaggons auf Fähren bis zum Zeppelin in einer schwimmenden Halle: Der Bodensee ist voller Geschichten, die man ihm auf den ersten Blick nicht ansieht.
Und genau das macht ihn so spannend. Denn manchmal lohnt es sich, nicht nur auf den See zu schauen, sondern sich zu fragen, was eigentlich darunter, dahinter und früher einmal hier war.







































































































